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Drei Tage, eine Nacht

Gedankenstrudel

Tag 1 (Atlantis)



„Verdammt! Wieder nichts geträumt! Jetzt hat es auch mich erwischt.“
Das Thermometer zeigt 39 Grad an. Thomas liegt schlapp auf seiner Matratze. Sein Rücken klebt am Laken. Schweiß rinnt ihm über die Schläfen und saugt sich in das Kissen. Die Sommer sind in den letzten Jahren unerträglich geworden. Jeder erspart sich die geringste Bewegung. Das Atmen fällt schwer. Es ist, als fräße die Lunge mit jedem Atemzug glühende Funken in sich rein.
Der Ventilator surrt und wirbelt abgestandene Luft über Thomas’ Gesicht. Seine Poren lechzen nach Abkühlung. Erst am Abend wird das Wasser für drei Stunden eingeschaltet. Wird auch Zeit. Die letzte Schüssel ist fast leer. Draußen ist es still. Nicht einmal ein Auto fährt durch die Straßen. Alles wirkt wie ausgestorben. Niemand hat noch Lust, irgend etwas zu machen. Keiner unterhält sich, alles ist so zäh und mühsam geworden. Hauptsache den Tag einigermaßen überstehen. Arbeitgeber sind zum ersten Mal gezwungen, so eine Art Hitzefrei zu geben.
Der Nachrichtensprecher im Radio verspricht kaum Besserung. Um die Hörerschaft in vergangene bessere Zeiten zu lotsen, erzählt er von den Sommerwochen zur Jahrtausendwende vor 20 Jahren. Da war es zwar auch schon beunruhigend heiß, aber die meisten konnten sich noch darüber freuen.
Ob es die Hitze ist, die Stück für Stück die Träume aus dem Kopf brennt? Es ist wie eine Seuche, die sich immer schneller und bedrohlicher über die Menschen legt. Immer mehr. Und niemand hat eine wirklich überzeugende Erklärung dafür.
Vor zwei Nächten hatte Thomas seinen letzten Traum gehabt. Immer wieder sah er sie – seine Caro. Ihr Gesicht damals am Strand, das weiche Haar, das der milde Wind über ihre glatte, helle Stirn kitzeln ließ.
Caro hatte das bezauberndste Lachen auf dieser Welt. Eine Injektion voll unbekümmerter Frische in Thomas’ Herz. Und jetzt konnte er nicht einmal mehr von ihr träumen.
Er steht auf. Sein Blut pumpt sich durch seinen Kopf. Ihm ist schwindelig, als er zum letzten Glas Wasser auf dem Tisch greift. Seine Zunge saugt schwammartig das warme Feucht in sich ein.
Sein Zimmer ist klein. Doch warum sollte es größer sein, wenn man eh nur den ganzen Tag schlapp auf einer Stelle liegt?
Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne berühren Caros Bild in der Vitrine. Er denkt ständig an sie. Obwohl sie nicht mehr da ist, liebt er sie immer noch so intensiv wie an jenem Tag, als er sich dazu entschieden hatte, das größte Stück seines Herzens ihr zu überlassen.
Doch warum war sie gegangen, ohne ein Wort zu sagen? Immer wieder dachte Thomas darüber nach. Er fand bis heute keine Erklärung. Irgend etwas schien sie von ihm fortzutreiben. Das Letzte was ihm blieb, waren seine Erinnerungen und die Träume, die ihn wieder auf die schönste Insel seines Lebens zurückführten. Nun lag sein Paradies verschollen in den Fluten seines verlorenen Selbst. Seine Träume sind fort, Atlantis ist hier.


Tag 2 (Caro?)


Am Morgen sind die Tage am erträglichsten. Noch versperren die Hochhäuser den Weg der Sonne. Thomas nutzt wie einige andere die Zeit und schlurft über den staubigen Gehweg. Seine Haare kleben im Nacken. An das ständige Schwitzen wird er sich nie gewöhnen.
Die Menschen sehen von Tag zu Tag kränker aus. Fahl und blutarm gleich sie Zombies aus billigen Horrorfilmen. Über den Gullideckeln hängen Dunstglocken fauler Gase. Vor den Supermärkten steht Sicherheitspersonal, das wie in einer überfüllten Disco den Massenansturm reguliert. Die Läden bieten wegen ihren Klimaanlagen Abkühlung. Die Menschen reißen sich um einen winzigen Platz in einem Supermarkt, ohne einkaufen zu wollen. Hauptsache ein bißchen Abkühlung. Wer nichts kauft, kriegt Hausverbot.
An einer anderen Straßenecke hat ein neuer Laden aufgemacht. Thomas fragt sich, wer in dieser Zeit überhaupt an Business denken kann. Eine Menschentraube vor dem Geschäft weckt seine Neugier. Er kommt näher. Aufgeregtes Geplapper und wilde Gestiken versprechen etwas Interessantes. Die Masse wird plötzlich ruhig. Die lächelnde Stimme eines dicklichen Mannes mit runden Augen und glattem Schnauzer erweckt Aufmerksamkeit. Seine fleischigen Hände versuchen ungeübt etwas offenbar Neuartiges zu präsentieren. Sie greifen zu einem halbrunden Metallbügel mit lauter Kabelgewirr daran. Auf einem runden Campingtisch steht ein schwarzer Kasten. So groß wie ein Schuhkarton. Der Mann steckt einige Stecker in die Öffnungen und setzt sich den Metallbügel auf seinen Kopf. Einige noch herunterhängende Kabel mit Saugnäpfen daran drückt er an seine Schläfen und an seine Stirn.
„Das war schon alles!“ jubelt er stolz. „Jetzt noch eine milde Schlaftablette – ohne Nebenwirkungen selbstverständlich – und Sie schweben in Ihren gewählten Traum!“
„Was redet der da?“ flüstert Thomas zu einem begeisterten Zuschauer.
„Haben Sie denn noch nicht davon gehört?“ Thomas verneint.
„Das ist die Sensation, sag’ ich Ihnen! Die geben uns unsere Träume zurück. Ich habe mir so ein Gerät gekauft – seitdem geht es mir wieder besser.“
Eine Frau bestätigt den Eifer. „Das Ding müssen Sie sich holen. Es bewirkt wahre Wunder! Kein Quatsch!“
Thomas geht ein paar Schritte zur Seite. Auf dem Campingtisch liegen ein paar Flyer. Er greift sich einen und verlässt die erregte Menge. Unheimlich sind ihm diese Menschen. Unheimlich dieser Wahn.
Er faltet den Flyer zusammen und steckt ihn sich in seine Hemdtasche. Inzwischen hat sich die Sonne über die Dächer gelegt und beheizt jeden staubigen Winkel dieser Stadt. Frauen und Männer eilen zu ihren Wohnungen zurück. Thomas’ Beine werden schwerer, doch ein bisschen will er noch laufen. Sein Mund ist trocken. Die Lippen zum Zerreißen gespannt. Seine Augen brennen. Er muss sie zusammenkneifen. Doch im Schlitz seines verengten Blickfeldes sieht er eine ihm vertraute Gestalt vorne an der nächsten Straßenecke. Sein Herz wird schnell. War das Caro? War das nicht ihr Gang? Thomas Schritte werden zügig. Er kommt der Frau näher. Sie scheint sein Kommen zu bemerken, dreht ihren Kopf erschrocken zur Seite, so dass Thomas einen Teil ihres Gesichtes flüchtig sehen kann. Das muss sie sein, denkt Thomas aufgeregt. Ihre Nase, ihre Stirn, die Art sich zu bewegen – sie muss es einfach sein. „Caro!“ ruft Thomas heiser aus seiner trockenen Kehle. „Bleib stehen!“ Die Frau fängt an zu rennen. Thomas’ Füße schmerzen. „Caro! Bleib doch endlich stehen!“
Sein Blut pocht gegen seine Schläfen, doch er gibt nicht auf. Die Frau bleibt erschöpft stehen, stützt gebeugt ihre Hände auf ihre Schenkel, keucht, dreht sich um und sieht ängstlich zu ihrem Verfolger. Thomas’ Lächeln verebbt, als er in ihr Gesicht schaut.
„Was wollen Sie von mir?“ fragt die Frau verschüchtert.
Thomas atmet tief durch, ist zum Sprechen noch nicht bereit, kann nur stammeln.
„Caro! Caro! Oh, ich dachte, Sie wären ... bitte verzeihen Sie, ich habe Sie verwechselt.“
Die Frau schüttelt den Kopf und geht mit zitternden Beinen weiter. Thomas sieht ihr hinterher. Allein steht er hier, alle Menschen sind bereits der Hitze entflohen, die nun wieder die Macht in der Stadt übernommen hat und alles Lebendige wegfrisst.
„Oh Caro“, haucht er leise, „wann find ich dich endlich?“

Tag 3 (Hoffnung)


Nun ist er sich sicher, dass auch er der Seuche verfallen ist. Caro ist nicht nur aus seinem Leben, sondern auch aus seinem Traum verschwunden. Am Abend war er irgendwann eingeschlafen, nachdem er sich den nächsten Wasservorrat in zig Schüsseln angelegt hatte.
Der Flyer von dem dicklichen Verkäufer liegt neben seinem Kopfkissen. Er blättert ein wenig darin herum, sieht eine bebilderte Anleitung und Erfolgsgeschichten einiger Männer und Frauen, die heute ihre Wunschträume jede Nacht erleben dürfen und neuen Lebensmut gefasst haben sollen. Thomas würde jeden seiner schönsten Träume gegen einen von Caro eintauschen. Was hab' ich denn zu verlieren, fragt er sich. Er zieht sich etwas über. Noch ist die Hitze da draußen erträglich. Thomas muss etwas unternehmen. Diese Machtlosigkeit und das Gefühl, innerlich langsam zu verfaulen, machen ihn ganz irre.
Vielleicht hilft ihm diese „Wunderkiste“ - vielleicht ist ja etwas Wahres dran.
Heute steht keine Menschentraube vor dem Geschäft. Die Tür steht offen. Der dickliche Verkäufer von gestern holt ein paar Kisten aus einem Regal. Niemand sonst ist in dem Laden. Thomas räuspert sich ein wenig. Die natürliche Trägheit des Dicken verwandelt sich plötzlich in ein einstudiertes Verkaufsgetänzel. Seine fleischigen und rosa Lippen schwingen zu einem runden Lachen empor.
„Seien Sie gegrüßt, junger Mann! Was kann ich für Sie tun?“ poltert er schallend los.
Die Klappe halten und deinen Theatertext vergessen, denkt Thomas und kramt den Flyer aus seiner Hosentasche hervor.
„Guter Mann“ fährt der Dicke fort, „Sie möchten bestimmt unsere Traumbox kennen lernen – stimmt's?“
Thomas holt Luft.
„Zuerst möchte ich wissen, wie das Ganze funktioniert.“
„Ja, das ist einfacher als man denkt! Was Sie brauchen ist diese Box und eine leichte Schlaftablette, die Sie von mir beim Kauf eines Gerätes hier und heute kostenlos von mir bekommen.“
„Und wie funktioniert nun ...?“
Der Verkäufer bietet das ganze Programm seines ungeschickten Plans, stöpselst sich wie bei der Präsentation vor dem Laden die Saugnäpfe an seine Schläfen und an seine Stirn.
„Stellen Sie sich vor, Sie schlafen jetzt und sind mit unserer Traumbox verbunden so wie ich jetzt vor Ihnen stehe.“
Thomas glaubt, in jedem Moment die größer werdenden Augen des Verkäufers aus seinem Kopf fallen zu sehen.
„wenn Sie also schlafen, dann erzeugen bestimmte elektrische Schwingungen Bilder in Ihrem Gehirn, das mit Ihrer Fantasie und Wünschen einen Traum bildet. Ist das nicht fantastisch!?!“
„Und das funktioniert bei jedem?“ zweifelt Thomas.
„Bei jedem, guter Mann, bei wirklich jedem!“ stolziert der Dicke mit Metallbügel auf seinem Kopf zu seiner Ladentheke und zieht drei kleine silberne Scheiben aus einer Schublade.
„Wissen Sie, wir bezeichnen uns als die Videothek für Träume. Es gibt derzeit vier verschiedene Traumarten, die wir Ihnen als geschätzter Kunde anbieten können. Romantik, Abenteuer, Albtraum und natürlich auch Erotik. Ja, auch daran haben wir gedacht.“, lächelt der Dicke zuzwinkernd.
„Auch daran haben Sie also gedacht.“, erwidert Thomas mit einem Gesichtsausdruck, der den Dicken sofort wieder in seine einstudierte Rolle bugsiert.
„Als Bonbon haben wir unsere Überraschungsbox“, fährt er fort“, „Da wissen Sie nie, was Sie träumen werden – wie im richtigen Leben.“
„Und genau diese werde ich nehmen!“, sagt Thomas entschlossen.
„Sehr gerne der Herr!“ grinst der Verkäufer breit, greift sich die zwei Geldscheine, die Thomas auf den Ladentisch gelegt hat und packt die schwarze Traum-Überraschungsbox in einen Stoffbeutel.
„Viel Spaß!“, ruft er Thomas hinterher, „Die Schlaftabletten liegen der Verpackung bei. Sind ganz ungefährlich! Träumen Sie schön!“

Nacht (Der Traum)


Die Bügel auf seinem Kopf und die Saugnäpfe drücken ein wenig, doch Thomas spürt dieses angenehme Gefühl aufsteigender Müdigkeit. Die Tablette zeigt ihre Wirkung. Seine Augen fallen ihm immer öfter zu. Zu schwer sind die Lider. Das Fenster steht weit geöffnet. Draußen liegt die Nacht schwarz über den ausgestorbenen Gassen. Ein seidener Windhauch streift über seine nackte Brust. Er hofft in den letzten bewußten Atemzügen, von Caro zu träumen. Auch wenn es nur ihr Gesicht sein sollte, das er vielleicht für einen Moment ansehen darf – es würde ihm wieder ein Stück Lebensmut schenken.
Allerlei Farben blitzen auf. Erst Punkte, dann Striche und Kreisel. Hinter dem Lichtgewirr erscheinen Konturen. Es sind Bäume mit mächtigen Kronen – so groß wie Häuser. Darunter liegen Wiesen endloser Weite. Das Gras biegt sich im Wind. Die Bilder werden schärfer. Die Lichtpunkte verschwinden. Thomas fühlt sich leicht. Er glaubt, willkürlich über eine Landschaft zu fliegen, die er so noch nie gesehen hat. Er hat kein Ziel, lässt sich mit dem Wind wie eine Feder treiben. Ruckartig schießt er in die Höhe. Die gewaltigen Baumkronen sehen von oben nun wie winzige Büschel saftiger Brunnenkresse aus. Der Himmel erstrahlt ungewohnt in roter Farbe. In ihm hängt keine einzige Wolke. Wieder steigt er in die Höhe. Dann erfasst ihn ein kräftiger Windstoß in den Rücken und er schnellt nach vorn in Richtung eines Ozeans. Das Wasser glitzert. Er blickt zurück und sieht die immer kleiner werdende Wiesenlandschaft. Vor ihm erstreckt sich dieser weite Ozean. Jetzt verwandelt sich der rote Himmel in ein helles Blau. Inseln tauchen im Wasser auf. Sie sehen unberührt aus. Thomas lacht, denn unter ihm springen Delfine im halben Bogen aus dem Wasser, tauchen ab und sofort wieder auf. Das sieht lustig aus.
Wieder packt ihn ein kräftiger Windstoß. Die Delfine unter ihm rauschen aus seinem Blickfeld. Vor Thomas erscheint eine Küste. Dahinter liegen Hochhäuser. Thomas fliegt über die Dächer hinweg. Er fliegt so schnell, dass er kaum etwas näher betrachten kann. Alles zieht wie ein Film im Schnelldurchlauf an ihm vorbei. Es ist eine riesige Stadt. Sie kommt ihm so groß wie der Ozean vor, den er gerade hinter sich gelassen hat. Hinter der Stadt erstreckt sich ein weites Terrain mit dunklen Felsen, die bedrohlich in die Höhe ragen.
Plötzlich stoppt er ruckartig. Der starke Windschub ist weg. Unter ihm die teerschwarzen, massigen Felsen. Schwebend steht er in der Luft. Er versucht, sich zu drehen. Thomas ist erstaunt, denn er weiß nicht wie er sich ohne Boden unter den Füßen bewegen soll. Doch es funktioniert. Die Luft um seinen Körper trägt ihn wie ein unsichtbarer Mantel. Er sieht hinunter. Dort sind tatsächlich Leute. Sie stehen auf der Fläche eines Felsens und sie schauen zu ihm hoch und winken ihm aufgeregt zu. Thomas ist neugierig, doch er will da nicht runter zu der gefährlichen Steinwüste. Sanft sinkt er hinab zu den Menschen, die ihm immer noch zuwinken. Immer deutlicher werden die Figuren. Sie kommen ihm bekannt vor. Es sind vier. Zwei Frauen, zwei Männer. Sie rufen etwas, doch er kann es nicht verstehen – zu weit ist er von ihnen entfernt. Thomas sinkt schneller. Die Felsen werden größer. Er spürt die abstrahlende, trockene Hitze des schwarzen Gesteins. Die Vier winken noch immer. Jetzt hört er sie seinen Namen rufen. Laut und deutlich.
Seine Füße berühren sanft den harten Boden. Hier unten ist es staubig. Seine Augen brennen, sehen nur verschwommen die vier Figuren auf ihn zukommen. Er reibt sich die Augen. Sein Blickfeld nimmt allmählich Konturen an. Dann zuckt er zusammen, denn zu bekannt sind ihm diese Menschen.
Vor ihm steht der dicke Verkäufer aus dem Traumladen.
„Habe ich zuviel versprochen?“ fragt er ruhig.
Hinter ihm erscheinen zwei alte Grauhaarige – Thomas Augen füllen sich mit Tränen. Sagen kann er nichts. Es sind seine Eltern, die seit zehn Jahren tot sind. Sie umarmen sich. Thomas ist sprachlos, versteht nicht was mit ihm geschieht.
„Es ist alles in Ordnung“ sagt sein Vater.
„Du brauchst keine Angst haben“ ergänzt die Mutter.
„Wie kann das sein? Okay, ich träume ja nur! Das alles ist hier nicht wirklich!“
Eine weiche Berührung auf seiner Schulter ruft in Sekunden alle Sehnsüchte ab. Er dreht sich und sieht in Caros Gesicht. Endlich! Ihre Augen haben sich nicht verändert. So weich und gütig glänzen sie ihn an.
„Wo warst du die ganze Zeit gewesen?“ fragt er stotternd.
Caro umarmt ihn. Sie riecht noch immer so gut.
„Ich war immer bei dir gewesen – die ganze Zeit“, antwortet sie leise und lächelt.
„Aber, was soll das hier?“
„Sieh auf die Stadt da hinten!“ sagt Caro, „Erkennst du sie?“
„Ja, da hinten sind doch die Häuser, in denen wir gewohnt haben!“
„Das stimmt. Und siehst du auch das helle Licht über den Häusern?“
Thomas nickt. „Ja, das ist die Sonne, die uns in den letzten Jahren so eine qualvolle Hitze gebracht hat. Warum fragst du?“
„Sieh dorthin und du wirst verstehen.“
Thomas sieht zu den Häusern, die immer stärker von einem gleißenden Licht überblendet werden.
Caro hat seine Hand fest in ihrer. Seine Eltern und der Verkäufer aus dem Traumladen berühren seine Schulter. Das Licht hat die Stadt in einen dicken Nebel gelegt. Außer einem Surren in der Luft ist alles still geworden.
„Was ist hier los?“ fragt Thomas unsicher.
Die Felsen fangen an zu beben. Die gesamte Landschaft zittert. Rauchwolken stehen über den Dächern der Stadt. Thomas' Erinnerungen flackern schlagartig auf. Er spürt das Beben unter sich und die Hitze auf seiner Haut und plötzlich weiß er was geschehen war.
Die Fünf steigen in die Höhe. Immer schneller. Sie müssen hier weg. Thomas lächelt. Als er kurz zurück blickt, sieht er wie ein einst blauer Planet explodiert.

(c) Guido Lemmel 2006










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