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Lyrische Versuche

Gedankenstrudel

"Hier folgen ein paar lyrische Gedankenstrudel, die mir im Laufe mehrerer Jahre bis heute spontan durch den Kopf blitzten. Ich bin zwar kein Lyriker, aber für mich war und ist das plötzliche Auftauchen und anschließende Niederschreiben Grund genug, diese hier meiner interessierten Leserschaft zur Verfügung zu stellen.
Also, einfach mal lesen und wirken lassen!"


Medienwahn

Du verkaufst dich Tag und Nacht,
hämmerst an die Mattscheibe,
raubst Entspannung,
zerteilst Reflexion,
zerstörst Träume,
bildest Illusionen,
hofierst Marktwerte,
ignorierst Seelenwerte,
deren Rang du verwässert hast,
mit Tränen aus kalkulierten Gefühlen.
Setz dich ins Boot,
treib mit der Masse,
die du geschaffen hast
und
suche den Mond
in der Einsamkeit
bunter Nächte.
***
Rhythmus des Herzens

Gleichmäßig
schlug mein Herz,
bis dein Atem Stürme blies,
ungewohnte Takte pumpten Blut,
durch Hirn und Venen,
Sinne irrten im Sog des Sturms,
tanzten taktlosen Walzer,
in der Geburt neuen Frühlings,
kühlten Sonnenstrahlen
meinen heißen Mantel.
Gleichmäßig
schlägt mein Herz,
über der Flaute der See,
meine schlaffen Segel lechzen
nach dem Flattern des Rhythmus'
deines Herzens,
lieb mich taktlos
im fremden Bellen des Winters.
***
Flügel der Zeit

Flügel der Zeit,
schwingen mit dir,
durchs Leben,
Regentropfen belasten wie Blei,
deine Luft,
so dick und zäh,
durchgeatmeter Brei des Lebens,
Lungensog des Todes,
Schleim der Seele,
abgehustet im Lachen der Sonne,
Verhör tauber Ohren,
Lügen stummer Lippen,
Pupillen starr und fest,
gerichtet auf Silber,
das dich blendet.
***
Herzen

Herzen kleben aneinander fest,
saugen gegenseitig Sehnsucht,
trinken Wärme,
erbrechen Kälte,
ins Leere, ins Trockene,
erbrechen Hoffnungen,
sind zerfallen zu Staub,
dessen Durst den nächsten Keim nährt.
***
Wüstensturm

Wüstensturm!
Reißt dich über Dünen,
hinaus aus der Oase,
wo du den Geschmack der Früchte erkanntest,
deren Süße du vor folgender Bitterkeit noch immer fürchtest,
Wüstensturm!
Peitscht Sand dir ins Auge,
Schleier im Blick,
Galle im Blut,
Brennen im Schlund,
trockener Atem so wie deine Worte
über Oasen mit Kakteen.
***
Liebe

Kann Mensch den Menschen lieben?
Lieben, ohne ein Auge im Spiegel zu haben?
Zerstör' alle Spiegelbilder,
widerspiegle dich der Liebe des Menschen du wertest,
vergiss deinen Strom,
er reißt nur dich so stark durchs Leben,
spring in andere Flüsse,
halt dich an der Boje,
und spiegle dich in Fluten.
***
Klugheit

Du bist klug,
dank's dir selbst,
flüsterst dein Gehalt jedem ins Ohr,
einige verstehen dich,
sie sind wie du,
die meisten meiden dich,
denn sie sind diese Kreaturen dieser Tage,
und sie werden mehr.
***
Dummheit

Du bist dumm,
schon immer gewesen,
schreist deine Leere jedem ins Gesicht,
die meisten hören dich,
sie sind wie du,
einige meiden dich,
können's nicht ertragen,
die schreienden Kreaturen dieser Tage,
und sie werden mehr.
***
Klangspiel

Neue Töne,
in deinem ach so sicheren Gleichklang,
Musik,
die durch dich,
durch deine Welt tanzt,
Augen so funkelnd prallen Lebens,
unbemerkter Suchlauf im Stillstand,
bröckelnde Mauer,
eintreffende Lichtstrahlen,
tauendes Herz im Rausch wärmster Momente,
rar! - so zu scheinen im Schein des Orchesters dieser Musik,
Verwirrung vor der Ankunft,
dein Gesicht so spiegelklar,
es dich blendet,
dich betäubt bevor du entzückst,
zurück in den ach so sicheren Gleichklang,
der dich im Suchlauf beschützt.


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